Wupperwood

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Foto: Süleyman Kayaalp

Wuppertal ist nicht Hollywood – so viel ist sicher. Trotzdem entscheiden sich Filmschaffende auch gerne mal für die Bergische Metropole. Welche Orte sie dann bevorzugen, wissen Lutz Ahr und Simone Neutert.

Unscharfe Schwarzweißbilder, wackelige Kamera, kein Ton, keine Schauspieler. Die Action hält sich in Grenzen. Der erste jemals in Wuppertal gedrehte Film nimmt die Zuschauer mit auf eine kurze Fahrt mit der Schwebebahn. Auf den Straßen unter dem „Flying Train“ – so der Titel des Films – erkennt man unscharf Pferdekutschen. Datiert wird die Aufnahme auf das Jahr 1902, damit zählt sie zu den ersten Filmen in Nordrhein-Westfalen überhaupt. Über hundert Jahre später kann dieses Zeitdokument weltweit über das Videoportal YouTube angeschaut werden. Was beweist: Film ist ein Medium, das die Zeit scheinbar problemlos überdauert. Zumindest im digitalen Zeitalter.

Szenenwechsel in die Gegenwart. Bürgerbahnhof Vohwinkel, Tageslicht, kalt. Die Protagonisten: Lutz Ahr und Simone Neutert. Sie sind die ersten Ansprechpartner für Filmschaffende, die im Stadtgebiet drehen wollen. „Der Bahnhof in Vohwinkel gehört zu den beliebtesten Locations im Tal, unter anderem, weil hier genügend Platz ist für die Crew, das Equipment und so weiter. Außerdem hat man gleich mehrere potenzielle Drehorte in der Nähe“, erklärt Lutz Ahr. „Hier wurden zum Beispiel einige Szenen für den Kinofilm ‚Rohtenburg’ (Grimm Love) gedreht. Für die Außenaufnahmen musste die Feuerwehr anrücken, weil es in der Szene regnen sollte. In der alten Gepäckabfertigungshalle, die jetzt als KunstStation genutzt wird, wurden die Szenen im Schlafzimmer des Täters gedreht. Auch die Schwimmoper wurde als Kulisse genutzt.“ Der Film über das Leben und die Gräueltaten des Armin Meiwes, der seinerzeit als „Kannibale von Rotenburg“ medial verspeist wurde, durfte anfangs in Deutschland nicht gezeigt werden.

Stars im Tal 

Darüber hinaus wurden auch einige echte Kassenschlager zumindest teilweise in Wuppertal gedreht: „Aimée & Jaguar“, „Der Krieger und die Kaiserin“, „Antichrist“, „Lola rennt“, „The Cut“, „Barfuss“ oder die „Freche Mädchen“-Reihe. „Eine vollständige Liste aller Filme könne man leider nicht zusammenstellen“, sagt Lutz Ahr. Weil auch oft in Privatwohnungen gedreht werde, sei es schwierig, alle Drehs zu erfassen. „Wenn Außenaufnahmen gemacht werden, sind wir aber immer involviert“, so Ahr.

Blick hinter die Kulissen. Wie genau läuft das eigentlich ab? Wer entscheidet, wo und wann gedreht wird? Wie steht Wuppertal im Vergleich dar? Lutz Ahr: „Meistens sprechen uns Locationscouts an, manchmal geht das aber auch direkt über die Produktionsfirma.“ NRW-weit verständige man sich vor allem über die Film Commission NRW, die mit der Plattform www.locationnrw.de zahlreiche Akteure vernetze. Hier können Filmschaffende Dreh­orte nach Rubriken und Schlagworten suchen und finden. „Da findet ein reger Austausch statt, der von der zentralen An­sprech­part­nerin Andrea Baaken koordiniert wird“, erklärt Ahr. Auch wenn man natürlich daran interessiert sei, möglichst viele Produktionen nach Wuppertal zu holen, gebe es keine direkte Konkurrenz der Städte untereinander. Die Stadt habe einige interessante Drehorte und Motive zu bieten, findet er: „Die Stadthalle wird sehr gerne genommen, das Rathaus in Barmen oder – wenn die Handlung tatsächlich in Wuppertal spielt – natür­lich die Schwebebahn.“

Filmkulisse Trödelmarkt

Für den Fernsehfilm „Heiratsschwindlerin mit Liebeskummer“ filmte man das bunte Treiben auf dem Vohwinkeler Trödelmarkt aus der Schwebebahn heraus. Später diente diese Szene als Kulisse für ein spektakuläres Seifenkistenrennen über die Kaiserstraße. „Im fertigen Film sah es noch voller aus als bei den Dreharbeiten, vielleicht wurde da noch etwas nachgeholfen, das weiß ich aber nicht“, sagt Lutz Ahr. Wuppertal ist also nach wie vor gefragt, wenn es um Drehorte geht, das bestätigt auch Simone Neutert. Neben der reinen Vermittlung bieten die beiden Filmbeauftragten auch aktive Unterstützung. Zum Beispiel wenn es um die Versorgung der Crew geht oder um die Vermittlung einer Unterkunft. Simone Neutert: „Wir sehen uns ganz klar in der Vermittlerrolle.“