Im Rhythmus der Stadt

Gregor_Eisenmann

Der Wahlwuppertaler Gregor Eisenmann bespielt die Stadt mit seinen Licht- und Videoinstallationen. Für seine Kunst ist er auf die Dunkelheit angewiesen, ein Nachtmensch ist er trotzdem nicht.

Gregor Eisenmanns Kunst ist unglaublich vielschichtig. Sie leuchtet, blinkt, vibriert, flackert, strahlt. Bunte Linien und Flächen überlagern sich, schrille Muster verwandeln den Raum, kurze Filmsequenzen, die im Loop über mehrere Schichten laufen. Manche seiner Installationen reagieren auf Töne oder Bewegungen des Publikums. Der Lichtkünstler Gregor Eisenmann spielt mit Gebäuden, öffentlichen Orten und Strukturen, indem er diese zu temporären Kunstwerken macht. Die Stadt ist seine Leinwand, das Licht seine Farbpalette. Und sein technisches Equipment seine Pinsel. Diese Analogie ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, denn Eisenmann ist auch Maler. Die meist abstrakten Motive für seine Licht- und Videoinstallationen haben nicht selten ihren Ursprung in seinen Gemälden und Collagen. „Das gehört alles zusammen“, erklärt der Künstler.

Ende 2018 hat er den Döppersberg zum Leben erweckt, im Frühjahr die Historische Stadthalle, 2017 den Tanztunnel auf der Nordbahntrasse und im Jahr davor den Platz der Republik. Man könnte meinen, der 35-Jährige würde am liebsten die gesamte Stadt erleuchten. Gefallen würde ihm das bestimmt. Für den gelernten Kommunikationsdesigner hat jedes Gebäude, jeder Straßenzug seinen eigenen Rhythmus. „Durch die verschiedenen Abstände, zum Beispiel der Straßenlaternen oder der Fenster, entsteht immer ein Rhythmus, mit dem ich spielen kann“, so der bekennende Kandinsky-
Fan. Das kreative Schaffen scheint Gregor Eisenmann gewissermaßen in die Wiege gelegt worden zu sein. In seinem Atelier hängen neben seinen eigenen Bildern auch einige von seinem Urgroßvater, einem talentierten Maler, dessen Nachlass Eisenmann verwaltet. Am liebsten würde er eine Retrospektive einmal in Wuppertal ausstellen.

Kunst, Licht, Technik
Die zeitliche Begrenztheit seiner Licht- und Videoinstallationen sieht er als Vorteil. „In einer Ausstellung beschäftigen sich viele Besucher nicht so intensiv mit den Bildern. Bei einer temporären Aktion im öffentlichen Raum ist das anders. Hier sind auf einmal auch nicht kunstinteressierte Menschen, die sich mit dem Werk auseinandersetzen, das kann spannend sein“, sagt Gregor Eisenmann. Berufsbedingt ist der gebürtige Hesse auch ein Technikfreak. In jeder Ecke seines Ateliers in der Düppeler Straße, so scheint es, ist technisches Equipment versteckt. Hier ein Laptop, dort ein Tablet, hier ein Bewegungstracker, da ein Beamer, winzige Kameras, ein Mischpult. „Alles schon ziemlich nerdy“, gesteht Gregor Eisenmann.

Für seine Installation am Döppersberg hat er vorher ein 3D-Modell angefertigt, das nun ebenfalls in seinem Atelier steht. „Ich scanne zuerst den zu bespielenden Raum beziehungsweise das Gebäude mit einer Kamera. Anhand dieses Scans kann ich genau festlegen, wo welche Muster erscheinen.“ Vorbereitung ist hierbei das A und O, alles muss passen, sonst geht die Illusion verloren. Zum Zeitpunkt der Performance ist Eisenmann grundsätzlich selbst vor Ort und steuert seine Projektionen per Hand. Dafür programmiert er vorher ein spezielles Mischpult, mit dem er Linien, Muster und andere Elemente in Echtzeit kontrollieren kann.

Nacht-und-Nebel-Aktion
Je nach Veranstaltungsort kann die Logistik schon mal problematisch sein. In seinem Atelier steht deshalb ein aufgemotzter Bollerwagen, in dem er das benötigte Equipment transportiert. Für die Projektion am Döppersberg hat er sich bei der Vorbereitung richtig ins Zeug gelegt. Um seine Auftraggeber davon zu überzeugen, dass die Bundesbahndirektion die ideale Fläche für die Lichtinstallation bietet, hat sich Eisenmann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf die Baustelle geschlichen und eine Lichtprobe am Gebäude durchgeführt. Mit einer Videoaufnahme von der Aktion waren die Entscheider schnell überzeugt. Eisenmanns Installationen sind in der Regel ein Spektakel für das Publikum. Trotzdem: „Man muss auch ruhige Momente schaffen, visuelle Anker“, sagt der Künstler. „Sonst funktioniert es nicht.“ Bei der ganzen Nachtarbeit – schließlich kommen Licht- und Videoinstallation im Dunkeln am besten zur Geltung – könnte man annehmen, dass Gregor Eisenmann zu jenen Kreativen gehört, die richtig aufblühen, wenn andere schlafen gehen. Dem ist nicht so: „Ich bin kein ausgesprochener Nachtmensch“, so der Künstler.