Im Namen der Klassik

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Foto: Süleyman Kayaalp
Klassik Interview mit Barbara Buntrock | von Marc Freudenhammer

Festival 3B, Musik auf dem Cronenberg – die Bratschistin
Barbara Buntrock gehört zu denjenigen, die die Kultur in
Wuppertal regelmäßig bereichern. Und das, obwohl sie bereits
seit einigen Jahren nicht mehr in ihrer Heimatstadt wohnt. 

Wenn Barbara Buntrock über Musik spricht, leuchten ihre Augen. Seit dem fünften Lebensjahr widmet sie sich den klassischen Streichinstrumenten. Die Mutter war Cello-Lehrerin an der Musikschule und der Vater Geigenbauer. Ihr Violaspiel genießt mittler­weile international einen außerordentlich guten Ruf und wurde in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet. Im Oktober letzten Jahres ist sie von Berlin nach Düsseldorf gezogen und lehrt dort als Professorin an der Robert Schumann Hochschule. Ihr Ziel: Die 33-Jährige möchte ihre Studenten praxisnah auf das Leben als Musi­ker vorbereiten.

Sie wohnen jetzt wieder etwas näher an Wuppertal. Was ändert sich dadurch für Sie?

Ich bin gerne in meiner Heimatstadt. Es fühlt sich gut an, wenn man bei einem Konzert weiß, es sitzen viele bekannte Gesichter im Publikum. Das ist schon sehr familiär. Lampenfieber habe ich natürlich trotzdem heute noch, man braucht das auch für die Konzen­tration. Das gehört einfach dazu. Aber man ist in einer bekannten Umgebung wesentlich entspannter, auch wenn es im Vorfeld dann doch manchmal turbulent zugeht.

 

Wie geht es mit dem Festival 3B weiter?

Das Festival 3B ist momentan in einer kreativen Schaffenspause. Ich würde das schon gerne weiterführen, nur im Moment haben wir uns eine Pause gegönnt. Wir ziehen jetzt nach drei Jahren das erste Resümee, gucken uns an, wie viele Besucher da waren, was hat gut funktioniert und was nicht so gut. Grundsätzlich ist eigentlich alles positiv ge­laufen, aber es gibt natürlich immer Dinge, die man noch besser machen kann.

Was erwartet uns dieses Jahr bei „Musik auf dem Cronenberg“?

Eine sehr intime und angenehme Atmosphäre. Die Konzerte in der Reformierten Kirche und dem Zentrum Emmaus sind außerdem alle kostenfrei. Wir bitten aber um freiwillige Spenden. Die Kammermusikreihe wurde ja vor etlichen Jahren von Werner Dickel ins Leben gerufen, ich bin seit letztem Jahr dabei. In Cronenberg haben wir ein sehr treues und aktives Publikum. Das läuft alles völlig unkompliziert und ohne den üblichen Werbeaufwand, wie er zum Beispiel beim Festival 3B nötig ist. Werner und ich planen jeweils drei Konzerte im Jahr, manchmal spielen wir selbst mit, manchmal nicht.

Wie war der Start in die neue Stelle? Was wollen Sie Ihren Studenten mitgeben?

Ich habe ja die letzten vier Jahre schon in Lübeck an der Musikhochschule unterrichtet, deswegen ist die Professur jetzt keine ganz neue Erfahrung für mich. Aktuell sind noch nicht so viele Studenten in der Klasse. Das läuft gerade erst alles an. Neben der musikalischen Ausbildung ist mir wichtig, die Studenten auch auf das Leben nach dem Studium vorzubereiten. Es ist zum Beispiel nicht so einfach, eine Orchesterstelle zu bekommen, obwohl es in Deutschland vergleichsweise viele Orchester gibt. Der durch­schnittliche Musikstudent weiß nicht, ob er hinterher sein Geld damit verdienen kann. Da kommen auf eine Stelle gerne mal 250 bis 300 Bewerber. Aber es gibt viele andere Möglichkeiten in der klassischen Musik. Aktuell gibt es eine sehr aktive freiberufliche Szene, die sich entwickelt. Das ist eine große Chance. Aber die Musikhochschulen hinken im Moment noch etwas hinterher, weil das ganze Drumherum, wie mache ich Fund­rai­sing oder wie mache ich eine Projektbeschrei­bung, das wird noch wenig unter­richtet.

Was würden Sie heute machen, wenn Sie nicht Musikerin geworden wären?

Früher hatte ich mal daran gedacht, Geigen­bauer zu werden wie mein Vater. Jetzt würde ich wohl eher sagen, irgendetwas im Bereich Kulturmanagement. Ich habe ja auch bei anderen Festivals in der Organisation mitgearbeitet. Das macht mir schon großen Spaß und ist ein bisschen zu einer Art Hobby geworden. Ich bin aber auch jemand, der Steuererklärungen total gerne macht. (lacht) Die Belege ordnen und so, das ist für mich eine Art Ausgleich. Beim Spielen hat man ja hinterher nichts in der Hand, was man sehen oder anfassen kann, eine Steuererklärung ist irgendwann einfach fertig.

Gibt es Berührungspunkte mit Kollegen jenseits der klassischen Musik?

Das vermischt sich eher wenig, leider. Aber es gibt tatsächlich wenige Schnittpunkte. Das fängt schon mit der musikalischen Aus­bildung an. An den Musikhochschulen wird meistens in Richtung klassische Musik gelehrt, eventuell etwas Pop. Dadurch sind das eher geteilte Welten. In meiner Freizeit höre ich natürlich auch andere Musik – jetzt nicht unbedingt Schlager. Wenn man sich  mit Musik beschäftigt, dann sollte es nicht nur Klassik geben. Das gehört für mich auch dazu.