High-End

Andreas Eisenschneider High End
Foto: Süleyman Kayaalp

Andreas Eisenschneider ist Sound-Enthusiast durch und durch. Nicht nur beruflich, auch in den eigenen vier Wänden. Komprimierungen à la MP3 sind ihm zuwider, Equalizer hält er für über­flüssig. Ein bekennender Audiophiler.

„Es fängt schon beim Strom an“, sagt Andreas Eisenschneider. Durch Schwankungen im Stromnetz könne es zu Störungen kommen, die den Sound letztlich negativ beeinflussen. Für so was gebe es aber spezielle Hi-Fi-Netzfilter, die die Anlage vor Störströmen schütze. Wenn man es wirklich ernst meint mit qualitativ hochwertigem Klang, dann ist jede Komponente wichtig. Was dem gewöhnlichen MP3-Streaming-Hörer nur ein verständnisloses Kopfschütteln entlockt, ist für audiophile Menschen wie Eisen­schneider unverzichtbar. Es geht darum, ein absolut unverfälschtes Klangerlebnis zu kreieren. Gemeinhin unter dem Schlagwort High-End bekannt. Kein Trend, sondern gewissermaßen eine Lebenseinstellung, zu der sich auch heute viele gut zahlende Anhänger bekennen. Nur wenige verfügen jedoch über ein derart fundiertes Hintergrund­wissen wie Andreas Eisenschneider. Der 55-Jährige ist Toningenieur, leidenschaftlicher DJ und bildet zusammen mit Matthias Burkert die musikalische Leitung des Tanztheaters.

Mitte der neunziger Jahre kommt er nach Wuppertal und arbeitet lange Zeit persönlich mit Pina Bausch zusammen. „Nur Du“ ist seine erste Produktion am Wuppertaler Tanztheater. Aktuell bereitet er eine Veranstaltung für die Riedel-Hallen vor. Keine einfache Aufgabe: „Die große, nackte Halle stellt uns vor große Herausforderungen. Da muss ich noch viel Überzeugungsarbeit leisten“, so Eisenschneider. Nicht jeder teilt seinen Perfektionismus in Sachen Sound.

Maßgeschneiderter Sound

Umso kompromissloser lebt er seine Passion in den eigenen vier Wänden aus: „Der Unterschied ist, dass ich Zuhause ja keinen großen Raum mit Publikum beschallen will, sondern nur einen Sweetspot“, erklärt Eisen­schneider. Und genau in diesem Sweetspot, etwa in der Mitte des Wohnzimmers, vor den Lautsprechern – die technisch korrekte Bezeichnung ist übrigens Schallwandler – steht ein alter Kaffeehausstuhl. Der ist nicht übermäßig bequem, aber das ist auch nicht sein Zweck. Hier sitzt man, um den optimalen Sound zu genießen. Nicht dass der Klang woanders im Raum wesentlich schlechter wäre, aber hier spielt sich die Magie ab. Hier wird Musikhören zum Erlebnis.

Die handgefertigten Stereo-Lautsprecher aus edlem Holz sind genau auf die Bedürfnisse Eisenschneiders abgestimmt. Sie stehen auf speziellen Füßen, sogenannten Absorber-Spikes, die diese vom Fußboden entkoppeln. Dadurch werden keine Schwingungen über den Boden übertragen, was wiederum für einen klareren Sound sorgt. Für den Preis der Lautsprecher kaufen sich nicht wenige Menschen eine komplette Surround-Anlage – plus Ohrensessel.

Auch bei der Aufstellung der Lautsprecher im Raum wird nichts dem Zufall überlassen, der Abstand zur Zimmerwand ist exakt gewählt. Alles hat seinen Platz. In der Ecke des Zimmers liegt eine kleine Alu-Kiste auf dem Dielenboden, die durch ein etwa drei Zentimeter dickes, schwarzes Nylonkabel mit der Steckdose verbunden ist. Der besagte Netzfilter. Weitere auf dem Boden liegende Kabel wirken ebenfalls, als könnten sie notfalls auch das gesamte Haus mit Strom versorgen. Bedient wird das High-End-Arrangement ausschließlich per Fernbedienung. Das hat aber eher ästhetische Gründe: „Ich mag es einfach, wenn es alles schön sauber ist“, so der Klangliebhaber.

Wenn irgendwie möglich, kauft Andreas Eisenschneider seine Musik ganz klassisch auf Vinyl. Alternativ müssen es dann schon sogenannte Super Audio CDs, kurz SACD, sein. Eine spezielle Form der DVD, die von Philips und Sony entwickelt wurde. Auf der SACD liegt das Audiomaterial im Direct-Stream-Digital-Format (DSD) vor. Eine solche legt Eisenschneider zum Testhören ein. Es ist der Bossa-Nova-Welthit „The Girl from Ipanema“ vom 1964 erschienen Album „Getz/Gilberto“ – genauer gesagt handelt es sich um eine speziell abgemischte Version von den Original-Masterbändern, wie Eisen­schneider erklärt.

Live im Wohnzimmer

Erlebnisbericht vom Sweetspot: Der Song erfüllt den gesamten Raum mit den wärmenden Stimmen von João Gilberto und seiner Frau Astrud. Und das, obwohl die Anlage lediglich auf Zimmerlautstärke läuft. Es klingt, als stünden die Musiker mitten im Wohnzimmer. Das gefühlvoll gehauchte Tenorsaxophon von Stan Getz klingt ebenfalls wie just in diesem Moment zum Leben erweckt. Es ist beinahe erschreckend, wie realistisch die Aufnahme rüberkommt. Jede noch so kleine Nuance in der Stimme, jeder Atemzug, jeder Griffwechsel auf der Gitarre ist klar und deutlich zu hören. Ein wirklich beeindruckender Klang, der sämtliche technischen Details vergessen lässt. „Wir sind heute ja ständig von irgendwelchem Gedudel umgeben“, so Eisenschneider, „in jedem Supermarkt gibt es grauenhafte Hintergrundmusik. Das bewusste Hören und Genießen ist extrem selten geworden.“