Glas und Panzerband

Raum2 Galerie Grölle pass:projects
Foto: Süleyman Kayaalp

Raum2, das klingt irgendwie nach Nebensache, nach dem
zweiten Platz. Bei der Galerie grölle pass:projects ist das anders. Der zweite Ausstellungsraum soll ein weiteres, ein ebenbürtiges Angebot bieten. Kuratiert wird er von Jaana Caspary und
Jonas Hohnke.

Die Mitglieder des Kunstkollektivs „Nartur“ sind gerade erst aufgewacht, als die Galerie Grölle pass:projects seine Pforten öffnet. Gestern Abend hatte man sich noch angeregt auf der Vernissage der nun eröffneten Ausstellung unterhalten und den Ausstellungsraum anschließend kurzerhand zur Schlafstätte umfunktioniert. Jaana Caspary und Jonas Hohnke sind ebenfalls vor Ort. Es ist ein morgendliches Treffen junger Künstler in der Nähe der Wupper. Im Hintergrund rauscht die Schwebebahn im Fünfminutentakt.

„Wir teilen uns die kuratorische Arbeit. Das ist zeitlich gar nicht anders möglich, weil wir ja auch noch unsere eigenen Projekte verfolgen“, sagt Jaana Caspary. Die 29-jährige Tochter des Wuppertaler Künstlers Peter Caspary kuratiert den Raum2 zusammen mit Jonas Hohnke. Beide haben ihre Wurzeln in Wuppertal und sie nutzen ihr künstlerisches Netzwerk, um hier neue spannende Ausstellungen und andere Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Auch wenn die beiden selbst eher der jüngeren Generation angehören, ist das Alter der ausstellenden Künstler kein Auswahlkriterium, so Jonas Hohnke, vielmehr stünde die „frische Herangehensweise“ sowie die Aktualität der Themen im Vordergrund. „Wir sind absolut offen, was das Konzept angeht. Wir hatten auch schon Konzerte, Lesungen und Performances“, so der 34-Jährige zum künstlerischen Konzept des Raum2. Manchmal diene der Nebenraum auch einfach als Erweiterung der regulären Ausstellungen. Für die Zukunft ist auch noch ein Artist-in-Residenz-Programm geplant.

Kritischer Blick

Galeriebesitzer Jürgen Grölle hatte die Kooperation mit den jungen Kuratoren Ende 2016 ganz bewusst ins Leben gerufen: „Es ist einfach eine andere Nummer, wenn junge Künstler selbst entscheiden, wer ausstellen darf. Da wird schon sehr kritisch geschaut. Das ist keine Spielwiese, wo junge Leute einfach mal irgendwas ausprobieren können. Er gehört ganz einfach zur Galerie dazu.“
Bis vor Kurzem drehten sich hier noch die kinetischen Skulpturen des Berliner Künstlers Wolfgang Flad, dessen „Arbeiten gegen die Schwerkraft“ noch bis zum 9. Juli im Hauptraum zu sehen sind. Die Ausstellung der Kunstgruppe „Nartur“ im Raum2 wurde ebenfalls bis zum 9. Juli verlängert. Insgesamt vier Werke haben die Künstler Nils Leimkühler, Moritz Neuhoff und Stefan Wiesnau speziell für den Raum angefertigt. Das Leitthema: Chrom. Gemeint ist damit die Sprühfarbe aus der Dose. Das Spiel mit der Nicht-Farbe – die in Graffiti-Kreisen gerne als schnelle Füllung für so­genannte Throw-ups genutzt wird – stand dabei im Fokus. Im Zentrum der minima­listischen anmutenden Ausstellung: eine Installation aus gebrochenen und mit silbernem Panzerband zusammengeklebten Scheiben aus Sicherheitsglas. Der wuchtige Aufbau erinnert an eine futuristische Landschaft in grauen und silbernen Schattierungen.

Das Miteinander in der Wuppertaler Kunstszene empfinden die beiden Kuratoren als ausgesprochen freundschaftlich und entspannt. Nicht nur aufgrund der vergleichsweise übersichtlichen Größe im Vergleich zu den Nachbarstädten Köln und Düsseldorf. Im Tal kennt man sich, tauscht sich aus. „Vielleicht könnte man irgendwann mal ein gemeinsames Wochenende mit einigen Wuppertaler Akteuren machen“, so Jonas Hohnke. Für dieses Jahr stehe das Programm allerdings schon. Man darf also gespannt sein.