Das Knarren der Dielen

Foto: Süleyman Kayaalp
Foto: Süleyman Kayaalp

Wohnen, arbeiten, einkaufen – das Wuppertaler Luisenviertel ist eine Oase abseits des Trubels in der Elberfelder City. Anke Kalbfuß gehört zu den Ureinwohnern und lebt in einer der vielen schönen Altbauwohnungen.

Schon beim Überschreiten des alten Fliesenbodens im Hausflur des denkmalgeschützten Hauses spürt man das Flair aus vergangenen Zeiten. Der großzügige Eingangsbereich zur Wohnung ist teilweise verglast und lässt bereits erahnen, was einen dahinter erwartet. Der Eintritt in das Reich von Anke Kalbfuß wird mit einem wohligen Knarzen des Holzdielenbodens quittiert. Hohe Decken mit Stuckverzierungen und große Fenster verleihen der Wohnung ein offenes und freundliches Ambiente, das man sonst nur von stylischen Pinterest-Bildern kennt. Altbau erster Güte also. In einer Ecke des Wohnzimmers steht ein moderner Holzofen, in der anderen ein altes schwarzes Klavier. Der Blick nach draußen ist für die Wohnlage ausgesprochen frei.

Seit 1992 wohnt die Winzertochter und selbst­ernannte „Exil-Moselanerin“ im Viertel. Nach Wuppertal kam sie der Liebe wegen. Falls sie irgendwann mal hier wegziehen sollte, dann ausschließlich zurück an die Mosel. Aber bislang sieht es nicht danach aus, dass Anke Kalbfuß ihre liebevoll eingerichteten 110 Quadratmeter in naher Zukunft freiwillig verlässt. Und wenn man sich so umschaut, kann man das gut nachvollziehen.

Wohnen im Denkmal

Über die Jahre hat sie viel Geld und Energie in die Wohnung gesteckt. „Die Wände sind mit Kreidefarbe gestrichen, total bio“, sagt sie. Beim Einzug hatte sie zusammen mit ihrem damaligen Partner mühsam alle Wände von Raufasertapeten befreit. Der alte Dielenboden wurde abgeschliffen und anschließend mit glänzendem Bootslack versiegelt. „Danach sind wir erst mal zwei Wochen in den Urlaub gefahren“, sagt Anke Kalbfuß und lacht. Nach einem Eigentümerwechsel sollten im Zuge einer umfassenden Renovierung alle Holztüren verkleinert und gegen „moderne“ Versionen ausgetauscht werden. Dagegen konnten sich Anke Kalbfuß und ihr Lebens­partner allerdings erfolgreich wehren. Zum Glück, denn die alten Türen tragen nicht unerheblich zum Flair der Wohnung bei.

2005 kaufte sie die Wohnung. Kurz darauf hat sie aus zwei schönen alten Türen eine große Schiebetür anfertigen lassen, die den Wohnbereich vom Esszimmer trennt. 2012 wurde die Küche auf der Nordseite mit einem kleinen Balkon ergänzt. „Das war ein ziemlicher Akt, weil das Denkmalschutzamt sich zuerst quergestellt hat. Ich musste mir dann von der ganzen Nachbarschaft schriftlich bestätigen lassen, dass alle nur diese Art von Balkonen verbauen, falls das irgendwann ansteht.“ Seit der Balkon da ist, wird er natürlich zu jeder Gelegenheit genutzt.

Lokale Kunst

Das Interieur der gesamten Wohnung spiegelt in gewisser Weise auch die Verbundenheit der Bewohnerin mit der Schwebebahnstadt wider. An den Wänden finden sich zahlreiche Werke von Wuppertaler Künstlerinnen und Künstlern. „Die meisten Bilder sind von Menschen, die ich persönlich kenne oder kannte. Das ist mir wichtig“, erklärt sie. Darunter bekannte Namen wie Rob de Vrij, Ulle Hees, Kahluwe, Maurycy Lozinski und Ulla Schenkel. Einige der Werke stammen auch von der Hobbymalerin selbst, die ihre Wohnung gleichzeitig als Atelier nutzt.

2011 hatte sie ihre Türen im Rahmen der WOGA (Wuppertaler offene Galerien und Ateliers) für Wuppertaler Kunstinteressierte geöffnet. Viele der Besucher interessierten sich dann allerdings neben den ausgestellten Werken auch intensiv für ihre Wohnung sowie für Details der Einrichtung. „Einige haben sich hier alles ganz genau angeschaut und Fragen gestellt. Dabei ging es ja eigentlich um meine Bilder“, so Anke Kalbfuß.

Altstadt-Feeling

Die Altersverteilung im Haus ist bunt gemischt. Von Anfang 20 bis Anfang 60 ist alles dabei. Man kennt und schätzt sich. Wie eigent­lich überall im Luisenviertel. „Das Viertel ist wie ein Dorf in der Stadt“, sagt Kalbfuß. Ein Spaziergang durch die Straßen kann dadurch auch gerne mal etwas länger dauern. Das dürfte wohl auch mit ihrem Engagement zusammenhängen. Die gelernte Diplom-Motologin und -Sportlehrerin engagiert sich ehren­amtlich für die Peter Kowald Gesellschaft / ort e. V. und ist außerdem langjähriges Mitglied der IG-Luisenstraße. „Ich fand es wichtig, auch als Bewohnerin mit dabei zu sein“, sagt sie.

Dass es draußen vor allem in den Sommermonaten auch schon mal laut wird, stört Anke Kalbfuß übrigens nicht. Schließlich wisse man, worauf man sich einlässt, wenn man hier hinzieht. „Man merkt natürlich schon, dass es über die Jahre mehr Kneipen geworden sind, aber das gehört einfach dazu. Es ist gut, wie es ist.“