Das erste Bier trinke ich selbst

Foto: Süleyman Kayaalp
Foto: Süleyman Kayaalp

Achim Brand ist ein alter Hase im Wuppertaler Luisenviertel. Als Inhaber des Café du Congo und langjähriges Mitglied der IG Luisenstraße gehört er quasi zum Inventar. Das jährlich stattfindende Luisenfest ist für ihn trotzdem immer ein Highlight. Ein Rückblick.

2010: Regen und Hagel, 10 Grad; 2011: Sonne und Schauer, 17 Grad; 2012: wolkenlos, 13 Grad. Auf einem kleinen Notizblock des Getränkelieferanten hat Achim Brand das Wetter der vergangenen Jahre aufgelistet. Das sei ganz entscheidend für den Erfolg des Luisenfestes, ist Brand sich sicher. „20 Grad ist perfekt.“ Wer sich schon einmal frühmorgens bei kaltem Nieselregen an den Trödelständen entlang der Luisenstraße gedrängelt hat, wird dieser Aussage zustimmen. Wie bei allen Ver­anstaltungen im Freien muss Petrus möglichst mitspielen, sonst wird es ungemütlich und die Gäste bleiben im Zweifel zu Hause auf dem Sofa sitzen. Für den Gastronom, der bis 2015 für die Organisation des jährlich stattfindenden Festes verantwortlich war, gibt es diese Option natürlich nicht.

Wasser aus Eimern

Mit 16 Jahren verschlug es Achim Brand erstmals auf das Elberfelder Luisenfest. Vor allem, um nach Vinylplatten zu stöbern. Das war 1981. Den ersten eigenen Bierstand hatte er 1989, damals noch als Mitarbeiter des Köhlerliesel. „Wir haben uns das Bierzelt von meinen Vater ausgeliehen. Die Bedingung: Wir mussten es morgens um halb sechs an der Nevigeser Straße abbauen, weil es am Abend davor noch im Einsatz war“, erzählt Achim Brand. „Und weil es kein fließendes Wasser gab, musste man das eimerweise aus dem Köhlerliesel schleppen. Das war schon ziemlich abenteuerlich.“ Einen der besagten Eimer habe er sogar noch, so Brand. Heute tut dieser allerdings seinen Dienst als Putz­eimer im Café du Congo. Neben Getränken bot man seinerzeit auch einige Lachshäppchen an und man legte großen Wert auf ein „gepflegtes Bier“. Am liebsten aus einem der damals gerne verwendeten Gaston-Pokale, erinnert sich Achim Brand. Finanziell habe sich der ganze Aufwand für ihn und seine drei Mitstreiter allerdings nicht wirklich gelohnt: „Am Ende blieben für jeden 50 D-Mark.“

Voller Einsatz

Einiges hat sich seitdem geändert. Vor allem die Auflagen in Sachen Sicherheit seien inzwischen enorm hoch. „Das Fest ist jedes Mal ein echter Kraftakt. Die Vorbereitungen kosten einfach viel Zeit und Nerven“, so Brand. Aus genau diesem Grund hat er seinen Platz im Vorstand der Interessengemeinschaft vor zwei Jahren geräumt. In diesem Jahr ist Dirk Schüller vom Café Luise verantwortlich für den reibungslosen Ablauf. „Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der sich dieser Aufgabe stellt“, sagt Achim Brand. Aber auch als lediglich teilnehmender Kneipenbesitzer bleibt noch genügend Arbeit. Zum Beispiel die Vorbereitung des Außenausschanks. Als gelernter Installateur – und selbsternannter Perfektionist – kümmert Brand sich grundsätzlich persönlich darum. Eine Sache ist über die vielen Jahre aber dennoch gleich geblieben: „Das erste gezapfte Bier trinke ich immer selbst.“

Kuscheliges Plätzchen

Ein zentrales Element des Luisenfestes ist der sich über die gesamte Länge der Luisenstraße erstreckende Flohmarkt. Hier kann nach Lust und Laune gestöbert, gefeilscht und geklönt werden. Und wie auf jedem Flohmarkt gilt natürlich auch hier: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Gegen Nachmittag erreicht das Fest meistens seinen Höhepunkt in Sachen Besucherzahlen. Dann kann es auch schon mal eng werden zwischen den Ständen links und rechts der Straße. Im Notfall gibt es aber immer noch die Ausweichroute über die Friedrich-Ebert-Straße. Für das ideale Luisen­fest-Erlebnis empfiehlt Achim Brand: „Ab 14 Uhr sucht man sich einfach irgendwo ein kuscheliges Plätzchen, an dem man bis 16 Uhr bleiben kann. Am besten natürlich bei uns im Biergarten“, sagt er und grinst. Vor den mittlerweile zwei Bühnen – eine am Fuße der Ottenbrucher Straße und eine neben dem Beats und Kekse – geht es meistens hoch her. Hier traten in der Vergangenheit auch schon Musikgrößen wie Uncle Ho oder Anna.Luca auf. In der Regel sind es aber eher Wuppertaler Lokalbands, die hier gewissermaßen den Soundrack des sonntäglichen Festes gestalten. Und damit wird das Fest dann so richtig rund.