Laptopfrickelei

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Elektronische Musik Interview mit DJ FalconGoat | von Marc Freudenhammer

Techno, Drum and Bass, Dubstep, House – digitale Musik ist schlicht grenzenlos, dank Internet auch hinsichtlich der Landes­grenzen. Falk Koziol alias DJ FalconGoat über neue Sounds aus Lateinamerika und seine Vorliebe für strukturierten Lärm.

Elektronische Musik ist allgegenwärtig und schon lange nicht mehr wegzudenken. Nicht nur auf der Tanzfläche und im Radio, sondern in allen Bereichen. Hier wird exzessiv gelebt, was einst mit der Remix- und Sample-Welle des US-ameri­kanischen Hip­hop begann. Verarbeitet wird heute prinzipiell alles, was hörbar ist. „Alles schon mal da gewesen“, sagen musikalische Pessimisten. „Alles möglich“, sagen die Fans. Sicher ist, dass es heute einfacher denn je ist, elektronische Musik selbst zu produzieren. Jeder, der einen PC besitzt, hat theoretisch alle Möglichkeiten, selbst zum elektronischen Musikproduzenten zu werden. Theoretisch. Einer von denen, die sich seit langer Zeit ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, ist Falk Koziol alias DJ FalconGoat. In der Vergangenheit hat er unter anderem beim Wuppertaler „Sommerloch“ aufgelegt und die Partyreihe „Du & Ich tanzen jetzt“ im Autonomen Zentrum (AZ) an der Gathe mitorganisiert.

Eine Stadt zum Hören

Seit über 20 Jahren beschäftigt sich der gelernte IT-Experte und Vater von zwei Kindern mit dieser Art von Musik. „Ich habe seit vielen Jahren ein Herz für strukturierten Lärm. Als Teenager habe ich meine C64-Sounds auf Kassette aufgenommen und da meine Musik drauf gemacht. Das hat mich schon immer geflasht. Ich kann einfach nicht ohne“, so der 41-Jährige. Und: „Klang ist mir wichtiger als Harmonie.“ Er ist einer der Vertreter der „Generation Remix“. Ein Instrument spielt er selbst nicht. „Ich kann im Prinzip überall arbeiten“, sagt Koziol. Bei der sogenannten Laptopkonferenz StadtKlangTal, die Ende Mai als Kooperation von Utopiastadt und dem Peter Kowald / ort e. V. veranstaltet wurde, war er als einziger Wuppertaler Künstler mit dabei. Die Idee: die alltäglichen Geräusche Wuppertals künstlerisch erlebbar zu machen. Gewissermaßen ein Live-Remix der Stadt. „Wir haben eine spezielle Streaming-Box entwickelt, die aber leider kurz vor dem Auftritt den Geist aufgegeben hat.“ Die Tücken der Technik – auch das gehört dazu.

Wenn man ihn bei seiner liebsten Freizeit­beschäftigung beobachtet – zum Beispiel am Mirker Bahnhof –, merkt man ihm nicht an, dass er gerade mit neuen Sounds jongliert. Alles spielt sich auf seinem trag­baren Rechner ab. Und natürlich in seinem Kopf. „Das ist die große Demokratisierung des Musikschaffens. Ich brauche nichts anderes als meinen Laptop. Heute ist es nicht mehr wichtig, wo etwas herkommt oder wie es entstanden ist, sondern wie es am Ende klingt“, erklärt Falk Koziol. Er ist bei weitem nicht der einzige im Tal, der sich regelmäßig in Sound­expe­ri­mente vertieft. Bislang fehle in Wuppertal aber ein Ort, an dem gemeinsame künstlerische Zusammenarbeit wirk­lich Früchte tragen könnte. „Utopia­stadt würde sich da ja anbieten. Hier kommt vieles zusammen“, meint er.

Tradition trifft Elektro

Electronica, Chill, Downtempo, Ambient sind die Schlagworte, die unter Koziols letztem Mix auf der Online-Musikplattform Soundcloud.com zu finden sind. Ein über weite Strecken melodischer Klangteppich aus Soundschnipseln und anderen sphärischen Tönen. Das ist die eine Seite des DJ FalconGoat. Wenn er abends tanzbare elektronische Musik auflegt, geht es ver­ständlicherweise nicht ganz so ent­spannt zu. Aktuell kann sich der DJ beson­ders für einen neuen Trend aus Lateinamerika begeistern: „Die Leute nehmen Samples ihrer traditionellen Musik und vermischen diese mit elektronischen Sounds. Oft arbeiten die auf uralten Rech­nern, die wir heute noch nicht einmal einschalten würden. Da kommen dann Sachen bei raus, die absolut jenseits unserer typischen Hörgewohnheiten sind.“ Eines macht dieses Beispiel deutlich: Die Sound-Bastlerszene ist global und, dem Internet sei dank, für jeden zugänglich, der nur lange genug danach gräbt. Und offensichtlich lohnt sich die manchmal langwierige Recherche im Netz.

Unter dem Namen „Team Transisto“ legt er seit diesem Jahr gemeinsam mit seinen Kollegen Lars Caspari (Doc Jester) und Florian Belser (Dubby Dubson) auf. Die ersten erfolgreichen Auftritte wurden in Wuppertal und beim Festival „Ruhr Reggae Summer“ in Mülheim absolviert. Bald sollen weitere folgen – immer mit dem Anspruch, bislang noch unbekannte Sounds auf der Tanzfläche zu etablieren. Oder wie Falk Koziol es ausdrückt: „Es ist Zeit für neue Musik.“